Alexander Benatar


Der indische Subkontinent als Spielfeld des Kalten Krieges — Deutsch-deutsch-indische Beziehungen im Bangladeschkrieg 1971

Dis­ser­ta­ti­ons­pro­jekt

In den Jah­ren 1971/72 sind in Mit­tel­eu­ro­pa und Süd­asi­en zwei gegen­läu­fi­ge Bewe­gun­gen zu beob­ach­ten: wäh­rend die deutsch-deut­sche Ent­span­nungs­po­li­tik die Gren­zen der Sys­tem­blö­cke des Ost-West-Kon­flikts zu über­win­den ver­moch­te, ent­spann sich zwi­schen Indi­en und Paki­stan ein Krieg, der zur Tei­lung Paki­stans und Grün­dung Ban­gla­deschs füh­ren soll­te. Ent­schei­dend sind hier­bei die unter­schied­li­chen Block­al­li­an­zen der jeweils agie­ren­den Natio­nal­staa­ten: waren den bei­den deut­schen Staa­ten ihre Loya­li­tä­ten im Kal­ten Krieg recht klar, so blie­ben sie in den block­frei­en Staa­ten Süd­asi­ens bewusst weit­aus unkla­rer. Den­noch ist mit Abschluss des Indisch-Sowje­ti­schen Freund­schafts­ver­tra­ges im August 1971 eine (vor allem sicher­heits­po­li­ti­sche) Annä­he­rung Indi­ens an Mos­kau zu beob­ach­ten, der­weil Paki­stan schon frü­her zu einem wich­ti­gen stra­te­gi­schen Part­ner Washing­tons auf dem Sub­kon­ti­nent avan­ciert war.

Mein For­schungs­pro­jekt unter­sucht die Bezie­hun­gen von Bun­des­re­pu­blik und DDR zu Indi­en und Paki­stan vor dem Hin­ter­grund des 1971 aus­ge­bro­che­nen Ban­gla­deschkrie­ges. Das Pro­jekt wen­det Beob­ach­tun­gen zur „Tyran­nei der Schwa­chen“ (vgl. Bernd Grei­ner) auf das beson­de­re deutsch-deut­sche Ver­hält­nis zu Beginn der 1970er Jah­re an. Unter­sucht wird das Agie­ren bzw. Reagie­ren der bei­den deut­schen Staa­ten in die­sem Kon­flikt als Bei­spiel für die tat­säch­li­che Hand­lungs­frei­heit ver­meint­lich schwa­cher Ent­wick­lungs­län­der des „block­frei­en Raums“, die das macht­po­li­ti­sche Vaku­um des Kal­ten Krie­ges – geschaf­fen von in der Schock­star­re des Atom­patts gelähm­ten Super­mäch­ten – zur Durch­set­zung ihrer natio­na­len Inter­es­sen nut­zen konn­ten. Im Mit­tel­punkt der Arbeit ste­hen also jeweils unter­schied­li­che natio­na­le Inter­es­sen in zwei kom­ple­xen regio­na­len Kon­flikt­fel­dern vor dem Hin­ter­grund des glo­ba­len Kal­ten Krie­ges.