Südasiatische Sprach- und Musikaufnahmen im Lautarchiv der Humboldt-Universität zu Berlin


Inhalts­ver­zeich­nis:
Wil­helm Doe­gen und die Geschich­te des Laut­ar­chivs   
Tech­ni­sche und orga­ni­sa­to­ri­sche Umset­zung der Plat­ten­auf­nah­men in den Kriegs­ge­fan­ge­nen­la­gern
Süd­asia­ti­sche Sprach- und Musik­auf­nah­men im Laut­ar­chiv   
Schluss­be­trach­tung   
End­no­ten   
Sekun­där­li­te­ra­tur

Mit der Absicht, Spra­chen und Dia­lek­te unter­schied­li­cher Natio­na­li­tä­ten und eth­ni­scher Grup­pen auf Ton­trä­gern fest­zu­hal­ten, begab sich ab 1915 eine Kom­mis­si­on ver­schie­de­ner Wis­sen­schaft­ler in Gefan­ge­nen­la­ger in Deutsch­land. Obwohl ihre Inten­tio­nen vor­der­grün­dig vom Krieg unbe­rührt schie­nen, wur­den Kriegs­ge­fan­ge­ne so zu „Objek­ten“ sprach­wis­sen­schaft­li­cher Unter­su­chun­gen. Auf­zeich­nun­gen von Stimmdar­bie­tun­gen, Spra­chen, Dia­lek­ten und Musik­bei­spie­len inter­nier­ter Sol­da­ten zu For­schungs­zwe­cken stell­ten einen her­aus­ra­gen­den Teil einer grö­ßer ange­leg­ten Sam­mel­tä­tig­keit der erwähn­ten Kom­mis­si­on dar. Dar­über hin­aus gab es wei­te­re Samm­lungs­schwer­punk­te, in deren Fol­ge das Ber­li­ner Laut­ar­chiv der Hum­boldt-Uni­ver­si­tät zu einem ein­zig­ar­ti­gen akus­ti­schen Bestand von inter­na­tio­na­ler Bedeu­tung anwuchs. An deutsch­spra­chi­gen Uni­ver­si­tä­ten exis­tiert nach Umfang und his­to­ri­scher Tie­fe kei­ne ver­gleich­ba­re Kol­lek­ti­on. Es han­delt sich um die frü­hes­te und zugleich umfas­sends­te sys­te­ma­ti­sche Tonsamm­lung, die zu wis­sen­schaft­li­chen und doku­men­ta­ri­schen Zwe­cken mit der Schel­lack­plat­te als Schall­trä­ger rea­li­siert wur­de. Gegrün­det wur­de jenes Archiv als Samm­lung von Wis­sen­schaft­lern für Wis­sen­schaft­ler, um For­schung und Leh­re zu die­nen. Einer­seits soll­ten wei­ter­ge­hen­de Unter­su­chun­gen im Bereich von Pho­ne­tik, Dia­lekt­for­schung, Fremd­spra­chen­lin­gu­is­tik und Eth­no­lo­gie ermög­licht, ande­rer­seits im Fremd­spra­chen­un­ter­richt wich­ti­ge Ser­vice­funk­tio­nen über­nom­men wer­den. Das nach Ende des Zwei­ten Welt­kriegs zwar bewahr­te, aber nicht wei­ter betreu­te und aus­ge­bau­te Archiv wur­de zwi­schen 1999 und 2005 digi­ta­li­siert und erschlos­sen. Die eige­ne Auf­nah­me­tä­tig­keit des Archivs zwi­schen 1915 und 1944 auf Schel­lack­plat­ten ist inzwi­schen kom­plett in eine Daten­bank über­tra­gen und im Inter­net recher­chier­bar.[1] 

Der fol­gen­de Arti­kel gibt einen Über­blick über Schall­auf­nah­men süd­asia­ti­scher Sol­da­ten und Zivi­lis­ten aus dem Ers­ten Welt­krieg, die heu­te im Laut­ar­chiv der Hum­boldt-Uni­ver­si­tät zu Ber­lin unter­ge­bracht sind. Jedoch lässt sich der Zugang zu die­sen Schall­auf­nah­men des Laut­ar­chivs nur gewin­nen, wenn man sie in den wis­sen­schafts- und insti­tu­ti­ons­ge­schicht­li­chen Kon­text ein­ord­net. Teil­wei­se sind die­se his­to­ri­schen Zusam­men­hän­ge noch nicht aus­rei­chend erforscht. Somit erhebt der fol­gen­de Abriss kei­nen Anspruch auf Voll­stän­dig­keit.

Wilhelm Doegen und die Geschichte des Lautarchivs

Die Geschich­te des Laut­ar­chivs ist eng ver­knüpft mit sei­nem Grün­der Wil­helm Doe­gen (1877–1967). 1877, im Jahr der Erfin­dung des Pho­no­gra­phen durch Edi­son, in Ber­lin gebo­ren, stu­dier­te Doe­gen nach einer abge­schlos­se­nen Bank­leh­re Natio­nal­öko­no­mie und Han­dels­recht. Als Gast­hö­rer besuch­te er Vor­le­sun­gen in Anglis­tik an der Fried­rich-Wil­helms-Uni­ver­si­tät in Ber­lin bei Alo­is Brandl. Brandl reg­te ihn schließ­lich zum Stu­di­um der Neu­phi­lo­lo­gie an. 1899/1900 ver­brach­te Doe­gen ein Aus­lands­se­mes­ter in Oxford, wo er bei Hen­ry Sweet (1845–1912), einem der Pio­nie­re der moder­nen Pho­ne­tik, stu­dier­te. Sweet hat­te maß­geb­lich an der Ent­wick­lung der Pho­ne­ti­schen Umschrift mit ihren zahl­rei­chen Son­der­zei­chen mit­ge­wirkt.

Die Begeg­nung mit Sweet und sei­nen Arbei­ten zur pho­ne­ti­schen Umschrift bezeich­ne­te Doe­gen spä­ter als das Schlüs­sel­er­leb­nis, das sein wei­te­res beruf­li­ches Wir­ken ent­schei­dend beein­fluss­te. 1904 schloss Doe­gen sein Lehr­amts­stu­di­um für Eng­lisch, Fran­zö­sisch und Deutsch mit einer Examens­ar­beit über die Ver­wen­dung der Pho­ne­tik im Eng­li­schen Anfangs­un­ter­richt ab.

Mit gro­ßem Enthu­si­as­mus trieb er anschlie­ßend den Ein­satz der pho­ne­ti­schen Schrift in Unter­richts­wer­ken in Ver­bin­dung mit den auf Schall­plat­ten gespro­che­nen Tex­ten vor­an.

Als Leh­rer am Bor­sig-Real­gym­na­si­um erar­bei­te­te er ab 1909 zusam­men mit den Ode­on-Schall­plat­ten­wer­ken in Ber­lin Wei­ßen­see die mehr­bän­di­ge Rei­he: „Doe­gens Unter­richts­hef­te für die selb­stän­di­ge Erler­nung frem­der Spra­chen mit Hil­fe der Laut­schrift und der Sprech­ma­schi­ne“. Zudem wur­den Wer­ke mit Klas­si­kern der eng­li­schen und fran­zö­si­schen Lite­ra­tur, von mut­ter­sprach­li­chen Schau­spie­lern gespro­chen, für den Schul­un­ter­richt her­aus­ge­ge­ben. Die Schel­lack­plat­te, die sich gegen­über dem Wachs­zy­lin­der durch ein hohes Maß an Wie­der­ga­be­qua­li­tät, Repro­du­zier­bar­keit und Halt­bar­keit aus­zeich­ne­te, soll­te dafür als neu­ar­ti­ges Lehr­mit­tel ein­ge­setzt wer­den.

Doe­gen pfleg­te gute Kon­tak­te zum Bil­dungs­mi­nis­te­ri­um, das ihn zur Welt­aus­stel­lung 1910 nach Brüs­sel schick­te. Dort erhielt er die sil­ber­ne Medail­le für die Ein­füh­rung der Schall­plat­te in For­schung und Leh­re. Durch den Erfolg sei­ner „Laut­plat­ten“ ange­spornt, ent­wi­ckel­te Doe­gen Ideen zu einem Stim­men­mu­se­um.

Im Febru­ar 1914 sand­te er Vor­schlä­ge für die Errich­tung eines „König­lich Preu­ßi­schen Pho­ne­ti­schen Insti­tuts“ an das Preu­ßi­sche Kul­tus­mi­nis­te­ri­um.

Gesam­melt wer­den soll­ten dem­zu­fol­ge:

  1. Spra­chen sämt­li­cher Völ­ker der Erde;
  2. Sämt­li­che deut­sche Mund­ar­ten;
  3. Musik und Gesang sämt­li­cher Völ­ker der Erde;
  4. Stim­men gro­ßer Per­sön­lich­kei­ten;
  5. Ver­schie­de­nes.[2]

Am 27. Okto­ber 1915 folg­te auf Doe­gens Antrag die Ein­set­zung der „König­lich Preu­ßi­schen Pho­no­gra­phi­schen Kom­mis­si­on“, deren Ziel es war, sowohl die etwa 250 Spra­chen, die unter den Inter­nier­ten der Kriegs­ge­fan­ge­nen­la­ger gespro­chen wur­den, als auch ihre tra­di­tio­nel­le Musik sys­te­ma­tisch auf­zu­neh­men und zu bear­bei­ten. Der Ton­psy­cho­lo­ge Carl Stumpf wur­de zum Vor­sit­zen­den ernannt.[3]  In der frü­hen Pha­se akus­ti­scher For­schung galt Carl Stumpf als die unum­strit­te­ne Auto­ri­tät auf die­sem Gebiet, ihm ver­trau­te des­halb das Minis­te­ri­um auch die Lei­tung der neu­en Initia­ti­ve an. Ins­ge­samt setz­te sich die Kom­mis­si­on aus etwa 30 Wis­sen­schaft­lern aus den Berei­chen Anthro­po­lo­gie, Sprach- und Musik­wis­sen­schaft zusam­men. Nam­haf­te Mit­glie­der der Kom­mis­si­on waren unter ande­rem Otto Demp­wolff (Medi­zin, afri­ka­ni­sche, indo­ne­si­sche und Süd­see-Spra­chen), Felix von Luschan (Anthro­po­lo­gie), Fried­rich Carl Andre­as (ira­ni­sche Spra­chen), Alo­is Brandl (eng­li­sche Dia­lek­te), Adolf Dirr (kau­ka­si­sche Spra­chen), Hel­muth von Gla­sen­app (Pun­ja­bi, Hin­di), August Hei­sen­berg (Grie­chisch), Geor­ge Schü­ne­mann (Musik­wis­sen­schaft), Hein­rich Lüders (Ben­ga­li, Pasch­tu, Gurung). Zwi­schen dem 29. Dezem­ber 1915 und dem 19. Dezem­ber 1918 zeich­ne­te die „König­li­che Preu­ßi­sche Pho­no­gra­phi­sche Kom­mis­si­on“  unge­fähr 250 Spra­chen, Dia­lek­te und tra­di­tio­nel­le Musik unter den Kriegs­ge­fan­ge­nen des Deut­schen Rei­ches auf 2.672 akus­ti­sche Medi­en (Gram­mo­phon-Plat­ten und Wachs­wal­zen) auf. Zum Auf­bau die­ser Samm­lung wähl­ten die Mit­glie­der der Kom­mis­si­on 31 der ins­ge­samt 175 Gefan­ge­nen­la­ger in Deutsch­land aus.[4]  Eini­ge die­ser Lager wur­den mehr­fach auf­ge­sucht, so dass die Kom­mis­si­on ins­ge­samt 49 For­schungs­rei­sen in Gefan­ge­nen­la­ger unter­nahm. Mit Aus­nah­me Öster­reich-Ungarns,[5]  war die­se Form des Sam­melns von eth­no­gra­fi­schen Mate­ria­li­en ein­zig­ar­tig wäh­rend des Ers­ten Welt­krie­ges. In Deutsch­land wur­de die Akti­vi­tät der Pho­no­gra­phi­schen Kom­mis­si­on wäh­rend der Kriegs­jah­re geheim gehal­ten.

Doe­gen selbst war für die tech­ni­sche Umset­zung der gram­mo­pho­ni­schen Auf­nah­men zustän­dig. Zusam­men mit den Fach­ver­tre­tern und einem Tech­ni­ker rea­li­sier­te er 1.650 Auf­nah­men, die zu zwei Drit­teln Spra­chen und zu einem Drit­tel Musik beinhal­ten.

Der Musik­wis­sen­schaft­ler Georg Schü­ne­mann führ­te dage­gen aus­schließ­lich Musik­auf­nah­men mit dem Pho­no­gra­phen durch. Er arbei­te­te meis­tens allein und nutz­te nicht den stan­dar­di­sier­ten Per­so­nal­bo­gen der Pho­no­gra­phi­schen Kom­mis­si­on, der im nach­fol­gen­den Abschnitt erläu­tert wird (sie­he unten). Sei­ne Samm­lung umfass­te 1.022 Wachs­wal­zen, die heu­te im Pho­no­gramm-Archiv unter­ge­bracht sind.[6] 

Grammophonische Aufnahmen in einem Kriegsgefangenenlager durch Wilhelm Doegen und Alois Brandl

Abb. 1: Gram­mo­pho­ni­sche Auf­nah­men im Lager Wahn durch Wil­helm Doe­gen und Alo­is Brandl, Okto­ber 1916. Hum­boldt-Uni­ver­si­tät zu Ber­lin, Insti­tut für Musik­wis­sen­schaft und Medi­en­wis­sen­schaft, Laut­ar­chiv (mit freund­li­cher Geneh­mi­gung von Har­ro Bröd­ler).

Wäh­rend der Wir­ren der Novem­ber­re­vo­lu­ti­on 1918 erwirk­te Wil­helm Doe­gen im Kul­tus­mi­nis­te­ri­um die per­sön­li­che Ver­fü­gungs­ge­walt über die gram­mo­pho­ni­schen Auf­nah­men und ver­an­lass­te spä­ter, dass die­se als Grund­stock in die am 1. April 1920 gegrün­de­te „Laut­ab­tei­lung an der Preu­ßi­schen Staats­bi­blio­thek“ über­führt wur­den.[7]  Der Vor­sit­zen­de der Pho­no­gra­phi­schen Kom­mis­si­on Carl Stumpf wur­de über die­sen Schritt unzu­rei­chend infor­miert und reagier­te ent­spre­chend unge­hal­ten.[8]   Sei­ner Mei­nung nach hät­te die Samm­lung als Eigen­tum des Kul­tus­mi­nis­te­ri­ums in geschlos­se­ner Form erhal­ten blei­ben sol­len. Statt­des­sen wur­de mit Grün­dung der Laut­ab­tei­lung die Samm­lung der Pho­no­gra­phi­schen Kom­mis­si­on nach dem Auf­nah­me­me­di­um (Schel­lack­plat­ten in der Laut­ab­tei­lung und Edi­son­zy­lin­der im Pho­no­gramm-Archiv) getrennt und seit­dem an zwei ver­schie­de­nen Orten auf­be­wahrt.

Neben den gram­mo­pho­ni­schen Auf­nah­men der Pho­no­gra­phi­schen Kom­mis­si­on wur­de in der Laut­ab­tei­lung auch die soge­nann­te „Darm­städ­ter­sche Stim­men­samm­lung“ auf­be­wahrt, mit deren Auf­bau Doe­gen 1917 begon­nen hat­te. Die­se Auf­nah­men von Stim­men berühm­ter Per­sön­lich­kei­ten wur­den mit finan­zi­el­ler Unter­stüt­zung des Che­mi­kers Prof. Dr. Lud­wig Darm­städ­ter rea­li­siert. Zweck der Samm­lung war laut Schen­kungs­ver­trag: „Stim­men von sol­chen Per­sön­lich­kei­ten auf­zu­be­wah­ren, an deren Erhal­tung für die Nach­welt ein his­to­ri­sches Inter­es­se vor­liegt“.[9]  Unter die­sem Per­so­nen­kreis wur­den Poli­ti­ker, Wis­sen­schaft­ler und Künst­ler ver­stan­den.

Carl Stumpf (rechts) und Georg Schünemann nehmen mit einem Phonographen tatarische Musiker auf.

Abb. 2: Carl Stumpf (rechts) und Georg Schü­ne­mann (zwei­ter von rechts) neh­men mit einem Pho­no­gra­phen tata­ri­sche Musi­ker auf. (Die Ton­auf­nah­me ist im Ber­li­ner Pho­no­gramm-Archiv archi­viert unter „Phon. Komm. 34”, Gefan­ge­nen­la­ger Frank­furt a.d.O., 1916.) Foto­gra­fie aus: W. Doe­gen, 1925, Unter frem­den Völ­kern – Eine neue Völ­ker­kun­de, Foto­gra­fien neben S. 144.

Die­se Auf­nah­men waren als Ergän­zung der „Lud­wig Darm­städ­ter­schen Auto­gra­phen­samm­lung zur Geschich­te der Wis­sen­schaft“ gedacht, die Darm­städ­ter 10 Jah­re zuvor der „König­li­chen Biblio­thek“  geschenkt hat­te. [10] Ehren­amt­lich als Lei­ter der Samm­lung fun­gie­rend, unter­stand Doe­gen bezüg­lich neu­er Schall­auf­nah­men der Ent­schei­dung eines Kura­to­ri­ums.

Die Plat­ten die­ser Stif­tung tra­gen die Signa­tur Aut (= Auto­phon). Die ers­te offi­zi­el­le Auf­nah­me mit der Signa­tur Aut 1 wur­de von Kai­ser Wil­helm II. mit dem Titel „Auf­ruf an mein Volk“ am 10. August 1918 im Schloss Bel­le­vue auf­ge­nom­men, eine Rede, die er ursprüng­lich im August 1914 gehal­ten hat­te. Hier wird bereits ein Kenn­zei­chen der Stim­men­por­träts deut­lich, denn bei die­sen Auf­nah­men han­delt es sich aus­nahms­los um nach­ge­spro­che­ne Pas­sa­gen aus Reden oder Vor­trä­gen. Die zeit­li­che Dif­fe­renz zwi­schen gehal­te­ner Rede und Auf­nah­me reich­te von nur weni­gen Tagen bis zu 4 Jah­ren. Ein wei­te­res Merk­mal die­ser Auf­nah­men ist, dass die Wachs­ma­tri­zen nach erfolg­rei­cher Stim­men­auf­zeich­nung von den betref­fen­den Per­sön­lich­kei­ten signiert wur­den.

Eine Son­der­stel­lung nahm die wahr­schein­lich nur samm­lungs­in­tern genutz­te Plat­te Aut 0 ein. Die­se jeweils zur Hälf­te von Doe­gen und Darm­städ­ter bespro­che­ne Plat­te ist in den Unter­la­gen des Archivs nicht ver­zeich­net und wur­de erst bei einer Revi­si­on der Bestän­de unter den 7.500 Plat­ten gefun­den. Doe­gen und Darm­städ­ter legen in die­ser Auf­nah­me ihre Beweg­grün­de zum Auf­bau bzw. der finan­zi­el­len Unter­stüt­zung der Samm­lung dar.  Die „Aut“-Signatur wur­de 1924 ein­ge­stellt, weil Darm­städ­ter sei­ne Stif­tung zurück­zog.

Doe­gen, 1920 als Direk­tor der Laut­ab­tei­lung ein­ge­setzt, unter­stand jedoch auch hier einer „Laut­ko­mis­si­on“, die, ähn­lich der Pho­no­gra­phi­schen Kom­mis­si­on, über die Auf­nah­me­tä­tig­keit befand und sich zum Teil aus dem­sel­ben Per­so­nen­kreis zusam­men­setz­te. Als Direk­tor der Samm­lung war Doe­gen mit der tech­ni­schen Rea­li­sie­rung, Kon­ser­vie­rung, Ver­wer­tung und öffent­li­chen Bereit­stel­lung der Plat­ten­samm­lung betraut.

Die Auf­nah­men der Laut­ab­tei­lung erhiel­ten das Signa­tu­ren­sigel LA (= Laut­ab­tei­lung). Das Samm­lungs­feld wei­te­te sich the­ma­tisch erheb­lich aus. Neben „Spra­che und Musik sämt­li­cher Völ­ker“ befass­te man sich nun vor allem auch mit der Doku­men­tie­rung von Mund­ar­ten des Deut­schen. In Zusam­men­ar­beit mit Fer­di­nand Wre­de aus Mar­burg ent­stan­den die Auf­nah­men zum deut­schen Sprach­at­las mit den „40 Wen­ker­schen Sät­zen“. Neben den diver­sen Auf­nah­me­ex­pe­di­tio­nen durch Deutsch­land gab es Expe­di­tio­nen in die Schweiz, nach Irland und Lett­land. Das Auf­nah­me­feld „Berühm­te Per­sön­lich­kei­ten“ der Aut-Signa­tur wur­de nach Darm­städ­ters Rück­zug in der LA-Signa­tur fort­ge­setzt und im Sin­ne von „Per­so­nen öffent­li­chen Inter­es­ses“ erwei­tert. Stim­men von Per­so­nen, die tech­ni­sche Neue­run­gen ent­wi­ckel­ten, bis hin zu Pio­nie­ren der Luft­fahrt­tech­nik erhiel­ten somit Ein­zug in die Samm­lung.

1925 ent­stan­den Tier­stim­men­auf­nah­men in Koope­ra­ti­on mit dem Zir­kus Kro­ne. Aus den Per­so­nal­bö­gen geht her­vor, dass ein Tag nach den Auf­nah­men von Wild­tie­ren wie Ele­fan­ten, See­lö­wen, Braun­bä­ren und Tigern auch so genann­te „Edle Wil­de“ vor den Trich­ter geholt wur­den, die eben­so Bestand­teil der Zir­kus­vor­stel­lun­gen waren. Durch die Auf­nah­men der Häupt­lin­ge der Iowa und Cey­enne gelang­ten Schall­do­ku­men­te der Sioux- und Algon­kin-Spra­che in die Samm­lung.

Unre­gel­mä­ßig­kei­ten in der Buch­füh­rung hat­ten im Juli 1930 Doe­gens Beur­lau­bung zur Fol­ge. Im Okto­ber 1931 konn­te er die Arbeit zwar wie­der auf­neh­men, die Ver­wal­tung der Laut­ab­tei­lung wur­de jedoch der Uni­ver­si­tät unter­stellt. Schließ­lich bewirk­te im Mai 1933 das natio­nal­so­zia­lis­ti­sche „Gesetz zur Wie­der­her­stel­lung des Berufs­be­am­ten­tums“ Doe­gens Ent­las­sung.

Nach­dem 1934 der Afri­ka­nist und Pho­ne­ti­ker Died­rich Wes­ter­mann die Lei­tung der Laut­ab­tei­lung über­nom­men hat­te, wur­de sie zunächst zur Lehr- und For­schungs­stät­te für Pho­ne­tik erwei­tert und als „Insti­tut für Laut­for­schung“ in die Uni­ver­si­tät inte­griert, dann 1935 in die Abtei­lun­gen Lin­gu­is­tik, Musik und Pho­ne­ti­sches Labo­ra­to­ri­um unter­teilt, denen jeweils ein Fach­wis­sen­schaft­ler vor­stand.[11]  In die­ser Form bestand das Archiv bis 1944.

Wäh­rend des Zwei­ten Welt­kriegs wur­den zwi­schen 1939 und 1941 wie­der­um Ton­do­ku­men­ta­tio­nen von Kriegs­ge­fan­ge­nen ange­fer­tigt. Neben deut­schen Lagern wur­den dies­mal auch fran­zö­si­sche Inter­nie­rungs­stät­ten auf­ge­sucht. In Frank­reich lag ein beson­de­rer Schwer­punkt auf afri­ka­ni­schen Sprach­auf­nah­men. Die­se Kam­pa­gne war jedoch nach Umfang und Aus­stat­tung nicht mit den Akti­vi­tä­ten unter Lei­tung von Carl Stumpf im Ers­ten Welt­krieg zu ver­glei­chen.

Nach 1945 kam es zu mehr­fa­chen Umstruk­tu­rie­run­gen des Insti­tuts für Laut­for­schung, bis es durch die III. Hoch­schul­re­form der DDR (1967–72) sei­ne Selbst­stän­dig­keit ver­lor und als „Abtei­lung Phonetik/ Sprech­wis­sen­schaft“ in die Sek­ti­on „Reha­bi­li­ta­ti­ons­päd­ago­gik und Kom­mu­ni­ka­ti­ons­wis­sen­schaft“ ein­ge­glie­dert wur­de. Dem Laut­ar­chiv wur­de in die­ser neu­en Ein­rich­tung kaum noch Auf­merk­sam­keit geschenkt, die Samm­lungs­tä­tig­keit war schon seit lan­gem zum Erlie­gen gekom­men. Im Jah­re 1981 soll­te es gar voll­ends „ent­sorgt“ wer­den. Jedoch erkann­te der Musik­eth­no­lo­ge Jür­gen Els­ner den gro­ßen Wert der unzu­rei­chend geschütz­ten Samm­lung und trug dafür Sor­ge, dass sie fort­an im Musik­wis­sen­schaft­li­chen Insti­tut Am Kup­fer­gra­ben 5 in abschließ­ba­ren Räu­men sicher ver­wahrt wer­den konn­te. Die­ter Meh­nert betreu­te die Samm­lung in den 1990er Jah­ren und publi­zier­te 1996 einen ers­ten zusam­men­fas­sen­den Bericht über das Laut­ar­chiv.[12]

Technische und organisatorische Umsetzung der Plattenaufnahmen in den Kriegsgefangenenlagern

Die gram­mo­pho­ni­schen Auf­nah­men unter der Auf­sicht von Wil­helm Doe­gen wur­den fol­gen­der­ma­ßen rea­li­siert: Wel­che Spra­chen die Kom­mis­si­ons­mit­glie­der in den ein­zel­nen Lagern unter den Gefan­ge­nen vor­fan­den, ging aus Lis­ten her­vor, die die Lager­kom­man­dan­ten an die Kom­mis­si­on sand­ten, doch waren die Inhal­te der Lis­ten nicht immer kor­rekt. Die Kom­mis­si­on bzw. die ein­zel­nen Fach­ver­tre­ter bestimm­ten, wer auf­ge­nom­men wer­den soll­te, und vor jeder Auf­nah­me wur­de ein Per­so­nal­bo­gen (sie­he Abb. 3) aus­ge­füllt.

Die­ser gibt neben der Doku­men­tie­rung der Auf­nah­me genaue Aus­kunft über die Her­kunft und den sozia­len Hin­ter­grund des Spre­chers oder Sän­gers sowie sei­ner sprach­li­chen Gene­se. Fer­ner galt das Ide­al, dass kei­ne Auf­nah­me gemacht wer­den soll­te, bevor nicht eine Trans­li­te­ra­ti­on[13] des Tex­tes aus der im jewei­li­gen Hei­mat­land übli­chen Schrift­spra­che, neben einer pho­ne­ti­schen Umschrift und einer deut­schen Über­set­zung vor­lag. Da sich die Spre­cher und Sän­ger nicht immer an die abge­spro­che­nen Tex­te hiel­ten, muss­ten nicht sel­ten nach Fer­tig­stel­lung der Plat­ten erneut Tran­skrip­tio­nen geschrie­ben wer­den. Tran­skrip­tio­nen von Musik­auf­nah­men wur­den gene­rell erst nach Pres­sung der Plat­ten ange­fer­tigt.

Die Auf­nah­men (zwei Drit­tel Sprach‑, ein Drit­tel Musik­auf­nah­men) umfass­ten unter­schied­li­che the­ma­ti­sche Berei­che:

  1. Bei noch wei­test­ge­hend unbekann­ten Spra­chen wur­den Wort­grup­pen qua­si als Wör­ter­bü­cher und Wör­ter, die in der Spra­che leicht zu ver­wech­seln sind, auf­ge­nom­men.
  2. Mär­chen, Erzäh­lun­gen und Anek­do­ten.
  3. Ins­be­son­de­re Kriegs­ge­fan­ge­ne aus Groß­bri­tan­ni­en und Frank­reich, aber auch aus ande­ren euro­päi­schen Staa­ten soll­ten die Para­bel vom ver­lo­re­nen Sohn aus der Bibel (Lk XV, 11ff.) in ihrem Hei­ma­t­idi­om spre­chen. Auf die­se Wei­se wur­den Dia­lek­te aller eng­li­schen Graf­schaf­ten doku­men­tiert und konn­ten unter­ein­an­der direkt ver­gli­chen wer­den.
  4. Den Groß­teil der Musik­auf­nah­men bil­den Gesän­ge, nur weni­ge Auf­nah­men sind rein instru­men­tal.

Die Tätig­keit der Pho­no­gra­phi­schen Kom­mis­si­on erstreck­te sich nicht nur auf Schall­do­ku­men­ta­tio­nen und deren schrift­li­che Nie­der­le­gung, son­dern es wur­den auch Gau­men­ab­dru­cke – so genann­te Pala­to­gram­me – von dem Zahn­arzt Alfred Doe­gen[14] her­ge­stellt, um sich über die genaue Zun­gen­stel­lung bei kom­pli­zier­ten Laut­fol­gen ein exak­tes Bild machen zu kön­nen. Sogar Rönt­gen­auf­nah­men des Kehl­kopfs bei bestimm­ten Sprech­lau­ten wur­den für die Gewin­nung wis­sen­schaft­li­cher Erkennt­nis­se ange­fer­tigt.

Der dama­li­ge Direk­tor des Ber­li­ner Völ­ker­kun­de­mu­se­ums Felix von Luschan führ­te anthro­po­lo­gi­sche Stu­di­en und Mes­sun­gen an den Gefan­ge­nen durch.[15] Von fast allen Spre­chern und Sän­gern wur­den Foto­gra­fien nach dem dama­li­gen Mus­ter der eth­no­gra­phi­schen Auf­nah­me ein­mal in Vor­der­an­sicht und ein­mal im Pro­fil erstellt. Von die­sen Fotos sind heu­te noch etwa 50 im Laut­ar­chiv erhal­ten, doch lei­der las­sen sich nicht alle den ent­spre­chen­den Sprech- oder Gesangs­do­ku­men­ten ein­deu­tig zuord­nen.

 Neben Sprech­pro­ben west- und ost­eu­ro­päi­scher Spra­chen gibt es einen nicht uner­heb­li­chen Anteil von afri­ka­ni­schen und asia­ti­schen Sprach- und Musik­auf­nah­men. Die­se Schall­do­ku­men­te gehö­ren teil­wei­se zu den frü­hes­ten akus­ti­schen Zeug­nis­sen ihrer Art. Auf­grund ihrer ortho­gra­phi­schen und pho­ne­ti­schen Tran­skrip­tio­nen, ergänzt durch Über­set­zun­gen ins Deut­sche, waren sie schon zu ihrer Ent­ste­hungs­zeit bes­tens doku­men­tiert. Daher kann es zu einer Plat­te von drei­ein­halb Minu­ten Lauf­län­ge bis zu 35 Sei­ten schrift­li­cher Doku­men­ta­ti­on geben. Die­ser wis­sen­schaft­li­che Cha­rak­ter der Samm­lung macht ihre Beson­der­heit und ihren unschätz­ba­ren Wert für heu­ti­ge For­schungs­vor­ha­ben aus.

Südasiatische Sprach- und Musikaufnahmen im Lautarchiv

Die heu­ti­gen Län­der Süd­asi­ens, aus denen es im Laut­ar­chiv Schall­do­ku­men­te gibt, sind fol­gen­de: Afgha­ni­stan, Ban­gla­desch, Indi­en, Nepal, Paki­stan, Sri Lan­ka. Ohne Aus­nah­me erfolg­ten alle Auf­nah­men unter Kriegs­ge­fan­ge­nen des Ers­ten Welt­krie­ges mit Spre­chern oder Sän­gern aus den dama­li­gen Ter­ri­to­ri­en Bri­tisch-Indi­ens und aus Nepal in Wüns­dorf.

Mit elf Rei­sen zu Auf­nah­me­zwe­cken war Wüns­dorf der am häu­figs­ten Auf­grund sei­nes hohen Anteils an mus­li­mi­schen Gefan­ge­nen wur­de das dor­ti­ge Lager auch als „Halb­mond­la­ger“ bezeich­net.[16] Etwa 40 Kilo­me­ter süd­lich von Ber­lin gele­gen, war Wüns­dorf durch die kul­tu­rel­le Viel­falt unter den Gefan­ge­nen, von denen vie­le aus Gebie­ten stamm­ten, die den Kolo­ni­al­mäch­ten Eng­land und Frank­reich gehör­ten, beson­ders inter­es­sant für Wis­sen­schaft­ler. Von den Mit­glie­dern der Kom­mis­si­on wur­den rund 65 Idio­me klas­si­fi­ziert. Bis auf eini­ge Aus­nah­men in Eng­lisch [17], Mal­te­sisch, und Neu­ka­le­do­nisch, las­sen sich die Auf­nah­men über­wie­gend Spra­chen in Afri­ka und Asi­en zuord­nen. Auf­nah­men in asia­ti­schen Spra­chen umfas­sen: Hindi/Hindustani/Urdu, Pun­ja­bi, Ben­ga­li, Gah­wa­li, Alt-Hin­di, Belut­schi, Pasch­tu, Kha­si, Lim­bu, Nepa­li, Maga­ri, Gurung, Rai, Eng­lisch (Nepal), Viet­na­me­sisch (Viet­nam), Tata­risch, Ava­risch, Basch­ki­risch, Udmur­tisch (Rus­si­sche Föde­ra­ti­on), Kir­gi­sisch (Kir­gi­si­en).

Aus Afri­ka stam­men die fol­gen­den Spra­chen: Bau­le (Elfen­bein­küs­te), Daho­me­en, Bari­ba (Benin), Bobo (Bur­ki­na Faso), Mosi, Samo­go (Bur­ki­na Faso, Mali), Wolof, Pou­lar (Sene­gal), Ful (Mali, Sudan, Sene­gal, Gui­nea), Kason­ge (Mali), Zar­ma (Mali, Nige­ria), Kwa (Togo), Kru (Libe­ria), Malin­ke, Toma (Gui­nea), Soso (Sier­ra Leo­ne, Gui­nea), Ban­tu, Swa­hi­li, Mwa­li, Nga­zid­ja, Nzwa­ni (Komo­ren), Soma­li (Soma­lia), Bam­ba­ra (Sudan, Mali, Sene­gal), Man­dara, Kanu­ri (Sudan), Haus­sa (Sudan, Mali), Yoru­ba (Nige­ria), Anyi (Gha­na), Ara­bisch (Alge­ri­en, Tune­si­en, Marok­ko, Rus­si­sche Föde­ra­ti­on), Ber­be­risch (Alge­ri­en, Marok­ko), Kabyl­lisch (Alge­ri­en), Bet­si­leo, Betsi­mi­sara­ka, Beza­no­za­no, Meri­na, Saka­la­ve, Sya­na­ka, Taisa­ka, Tano­sy (Mada­gas­kar).

In unmit­tel­ba­rer Nähe zum „Halb­mond­la­ger“ in Wüns­dorf befand sich das Lager Wein­ber­ge in Zos­sen. Dort waren mus­li­mi­sche Sol­da­ten aus der rus­si­schen Armee inter­niert. Wäh­rend der Initi­al­pha­se der Auf­nah­me­tä­tig­keit wur­den im Wein­berg­la­ger nur sie­ben Plat­ten mit tata­ri­schen Lie­dern auf­ge­nom­men. Ansons­ten erfolg­ten alle Auf­zeich­nun­gen der im Lager Wein­ber­ge unter­ge­brach­ten rus­si­schen Mus­li­me im Halb­mond­la­ger.[18] Das bedeu­tet, dass es in die­ser Hin­sicht zwi­schen bei­den Lagern, die dar­auf aus­ge­rich­tet waren, die Inter­nier­ten durch geziel­te Pro­pa­gan­da zum Über­lau­fen auf die deut­sche Sei­te zu brin­gen, eine stän­di­ge Bewe­gung gege­ben haben muss. Zum Bei­spiel stamm­te der in Ara­bisch vor­ge­tra­ge­ne und in Wüns­dorf auf­ge­nom­me­ne „Gebets­ruf der Moham­me­da­ner“ von einem Tata­ren aus Tobol­sk, der wie­der­um im Wein­berg­la­ger unter­ge­bracht war.[19] Auch stand im „Halb­mond­la­ger“ eine Moschee, von der aus der Muez­zin zum Gebet hät­te rufen kön­nen.

Etwa die Hälf­te der Mit­glie­der aus der Pho­no­gra­phi­schen Kom­mis­si­on besuch­te das „Halb­mond­la­ger“ zur Anfer­ti­gung gram­mo­pho­ni­scher Auf­zeich­nun­gen. Sie bespiel­ten 482 Plat­ten mit 765 Ein­zel­ti­teln, was knapp 30% aller Auf­nah­men ent­spricht, die unter Doe­gens Ägi­de ent­stan­den sind. Für den süd­asia­ti­schen Bereich sind hier die Ton­do­ku­men­te rele­vant, die von den Kom­mis­si­onmit­glie­dern Hein­rich Lüders, Fried­rich Carl Andre­as, Hel­muth von Gla­sen­app, Alo­is Brandl und Josef Horo­vitz auf­ge­zeich­net wur­den. Ins­ge­samt umfasst die­ser Samm­lungs­teil 282 Titel auf 193 Schel­lack­plat­ten. Auf die­se Auf­nah­men wird im Fol­gen­den genau­er ein­ge­gan­gen. Zu den meis­ten Titeln lie­gen die Ori­gi­nal­tex­te in den süd­asia­ti­schen Spra­chen und Schrif­ten, sowie deren pho­ne­ti­sche Umschrif­ten, Trans­li­te­ra­ti­on und Über­set­zun­gen vor.

Von dem Indo­lo­gen und Ori­en­ta­lis­ten Hein­rich Lüders[20] stam­men mit 150 Ein­zel­ti­teln auf 98 Plat­ten die meis­ten Auf­nah­men. Davon sind mit 70 Titeln die meis­ten in Nepa­li. Bemer­kens­wert ist dabei, dass Lüders neben vie­len nepa­li­schen Erzäh­lun­gen über­wie­gend Lie­der auf­nahm. In den ande­ren in grö­ße­rer Anzahl durch ihn auf­ge­zeich­ne­ten Spra­chen – Gurung (23)[21], Kha­si (17), Ben­ga­li (13) – sind mehr­heit­lich Erzäh­lun­gen doku­men­tiert, aber auch neu­tra­le Bei­spie­le wie „Alpha­bet“ und „Sprech­pro­be“. Bei den Sprech­pro­ben zu Gurung hat sich Lüders nicht an die ein­gangs erwähn­te Abfol­ge von vor­her­ge­hen­der Tran­skrip­ti­on der Tex­te und anschlie­ßen­der Auf­nah­me gehal­ten, denn beglei­tend zur Über­set­zung der Plat­ten PK 636 und 637 schreibt er:

Die Stü­cke sind in einem Hin­di-Dia­lekt abge­faßt, doch ließ sich nicht fest­stel­len in wel­chem. Bei der feh­ler­haf­ten Ortho­gra­phie und der nach dem Gehör­ten wie­der­ge­ge­be­nen pho­ne­ti­schen Umschrift war es zwei von mir her­an­ge­zo­ge­nen gebil­de­ten Indern eben­so wenig als mir selbst mög­lich, eine voll­stän­di­ge Über­set­zung her­zu­stel­len.[22]

Unter den wei­te­ren, von Lüders auf­ge­nom­me­nen Spra­chen[23] sticht die ein­zi­ge eng­li­sche Auf­nah­me – mit Aus­nah­me von mili­tä­ri­schen Kom­man­dos – eines Gefan­ge­nen in Wüns­dorf her­vor. Die Plat­te mit der Signa­tur PK 271 wird von Gan­ga Ram, einem aus Nepal stam­men­den Kriegs­ge­fan­ge­nen gespro­chen. Außer­ge­wöhn­lich an die­ser Auf­nah­me ist zum einen, dass er nicht in sei­ner Mut­ter­spra­che Kha­si spricht, zum ande­ren, dass er die Para­bel vom „Ver­lo­re­nen Sohn“ aus der Bibel wie­der­gibt, die nichts mit sei­nem reli­giö­sen Hin­ter­grund als Hin­du zu tun hat.

Durch Hel­muth von Gla­sen­app,[24] einem Indo­lo­gen und Reli­gi­ons­wis­sen­schaft­ler, der wäh­rend des Ers­ten Welt­krie­ges Mit­ar­bei­ter für die Pro­pa­gan­da­in­sti­tu­ti­on des Aus­wär­ti­gen Amts „Nach­rich­ten­stel­le für den Ori­ent“ war, wur­den 56 Plat­ten mit 86 Titeln auf­ge­zeich­net. Er befass­te sich mit den Spra­chen Pun­ja­bi (34), Hin­di (49), Alt­hin­di (2) und Garh­wa­li (1), wobei gesun­ge­ne Lie­der gegen­über Erzäh­lun­gen und rezi­tier­ten Gedich­ten domi­nie­ren.

Für 22 Schall­trä­ger mit 26 Auf­nah­men war der Ori­en­ta­list Josef Horo­vitz[25] ver­ant­wort­lich. Sei­ne Auf­nah­men des Hin­du­sta­ni (21) und Belut­schi (5) sind geprägt von Erzäh­lun­gen, es han­delt sich vor­nehm­lich um Mär­chen und Anek­do­ten.

Als Ira­nist und Ori­en­ta­list erhielt Fried­rich Carl Andre­as[26] 1903 den Lehr­stuhl für West­asia­ti­sche Spra­chen an der Uni­ver­si­tät Göt­tin­gen. Unter sei­nen ins­ge­samt 16 Auf­nah­men des Pasch­tu, die sich über 13 Schel­lack­plat­ten erstre­cken, sind neun Lie­der. Auf­fal­lend häu­fig sind Scherz­lie­der in sei­ner Auf­nah­me­lis­te ver­merkt.

Alo­is Brandl,[27] Phi­lo­lo­ge und Anglist an der Ber­li­ner Uni­ver­si­tät, zeich­ne­te im „Halb­mond­la­ger“ ledig­lich vier Ein­zel­ti­tel von indi­schen Kriegs­ge­fan­ge­nen auf vier Plat­ten auf. Anders als bei sei­nen übri­gen 260 Titeln für die Pho­no­gra­phi­sche Kom­mis­si­on han­delt es sich hier um akus­ti­sche Signa­le mit einem Post­horn und eng­li­sche Mili­tär­kom­man­dos.

An die­ser Stel­le sol­len auch die Auf­nah­men von Georg Schü­ne­mann nicht uner­wähnt blei­ben. Bei sei­ner Auf­lis­tung der Wal­zen aus den Kriegs­ge­fan­ge­nen­la­gern nennt er fol­gen­de Eth­ni­en und Stück­zah­len: 16 Gurkha, 4 Sikh, 7 Tha­kor und 1 Hin­du­sta­ni.[28]

Inhalt­lich gestal­te­ten sich die­se Auf­nah­men in den sel­tens­ten Fäl­len so neu­tral, wie es von der Kom­mis­si­on inten­diert war. Eine der vier Erzäh­lun­gen in Pun­ja­bi, die von Gla­sen­app auf­nahm, hat­te direkt mit einem Wunsch der Inter­nier­ten zu tun, der mit dem Lager und der reli­giö­sen Ein­stel­lung der Sikh in Ver­bin­dung steht. Die Plat­te PK 676 wur­de von Sundar Singh am 5. Janu­ar 1917 unter dem all­ge­mei­nen Titel „Erzäh­lung“ bespro­chen. Um schar­fe Kri­tik an dem Umgang der Lager­lei­tung mit den reli­giö­sen Gefüh­len der Sikh zu üben, lob­te er zunächst die Lebens­um­stän­de in über­mä­ßi­ger Form:

Om, durch die Gna­de des wah­ren Guru. Der Guru (oder: der Granth) hat mit gro­ßer Gna­de auf uns geblickt, denn er hat sich uns im frem­den Lan­de und in die­ser Gefan­gen­schaft und in die­sem Gefäng­nis gezeigt. Wir sind so glück­lich, daß wir selig sind. Es kann kein grö­ßes Glück für uns geben, als die­ses; es ist grö­ßer als selbst das Glück des Frie­dens. Die reli­giö­se Ver­samm­lung ist dadurch glück­lich. Wir betrach­ten den Granth Sahib als das Eben­bild des 10 Gurus und ver­eh­ren ihn sehr. Wenn irgend­ei­ner ihn nicht ehrt, oder ihn nicht ehren will, so wird jeder Singh bereit sein, ent­we­der an die­sem Ort sein Leben zu geben, oder wird es nicht dul­den, ihn [den Granth] ent­ehrt zu las­sen. Bis jetzt hat unser Guru Saheb [d.h. der Granth] kei­ne Decke erhal­ten. Wären wir in Indi­en und hät­te unser Guru Sahib kei­ne Decke, so wür­den wir kei­ne Spei­se zu uns genom­men haben. Wir haben viel ver­sucht, aber unser Guru Sahib hat bis jetzt noch kei­ne Decke erhal­ten. Wenn wir an die­sem Ort kei­ne Spei­se essen wür­den, so wür­den wir sehr schnell ster­ben, weil in unse­ren Kör­pern kei­ne Kraft ist, denn Sie wis­sen, dass die­se (Leu­te) kein Essen wie in Indi­en erhal­ten. Des­halb kön­nen wir das Essen nicht auf­ge­ben. Daß die Eng­län­der uns unse­ren Guru Granth Sahib gesandt haben, was hat das für einen Zweck? Den­ken Sie sel­ber über die­se Sache nach und geben Sie uns schnell Ant­wort.

Wenn wir die Bewoh­ner Deutsch­lands sehen, sind wir sehr glück­lich, aber wir glau­ben, dass die Deut­schen von uns nicht so den­ken, wie wir von ihnen. Wenn die Deut­schen so däch­ten, so wür­den sie das Haus [d.h. den Tem­pel] unse­res Gurus [d.h. des Granth] ehren.

P.S. Bezieht sich auf den Wunsch der Gefan­ge­nen, für ihr hei­li­ges Buch, den „Granth“ eine Decke zu erhal­ten.[29]

Nicht immer wur­de Kri­tik an der Lager­si­tua­ti­on so offen vor­ge­tra­gen. Oft­mals wur­den das zer­mür­ben­de Dasein als Gefan­ge­ner und die Ansich­ten und Gefüh­le in der dezen­ten Form einer Fabel, eines Mär­chens oder einer Anek­do­te zum Aus­druck gebracht, wie in dem fol­gen­den Bei­spiel, das eben­falls zu dem von Gla­sen­app auf­ge­nom­me­nen Bestand gehört:

Ein Bau­er war mit einem Tiger befreun­det. Die Freund­schaft war sehr gross. Bei­de pfleg­ten zusam­men Brot zu essen. Eines Tages kam der Tiger in das Haus des Bau­ern. Die Frau des Bau­ern sag­te: ‚Du hast Freund­schaft geschlos­sen mit Scha­ka­len, Wöl­fen und Tigern, hast du gar kein Schamge­fühl? Seit­dem der Tiger in unser Haus kommt, herrscht im Hau­se ein sehr schlech­ter Geruch.‘ Als der Tiger dies hör­te, geriet er in Zorn und ging aus dem Hau­se her­aus. Der Bau­er brach mit ihm auf. Der Tiger sag­te zu dem Bau­er: ‚Du bist nur dann mein Freund, wenn du mit einer Axt auf mei­nen Kopf schlägst.‘ Da leis­te­te der Bau­er sei­nem Wunsch Fol­ge und schlug mit der Axt, dann ver­liess der Tiger ihn. Als nach einem Jahr der Tiger den Bau­ern wie­der traf, da sag­te der Tiger: ‚Jetzt sieh mal die Wun­de der Axt, mit der du auf mei­nen Kopf geschla­gen hast.‘ Als der Bau­er nach der Wun­de sah, da war kei­ne Wun­de mehr vor­han­den. Der Tiger sag­te: ‚Die Wun­de, die von der Axt her­rühr­te, die ist jetzt ver­schwun­den, das aber, was dei­ne Frau gesagt hat, das ist eine Wun­de für mein gan­zes Leben gewor­den. Jetzt ist die Freund­schaft zwi­schen uns aus.‘ Sieh, mein Lie­ber, die­se Rede hat sogar ein Tier nicht ver­ges­sen, wie könn­te ein Mann etwas (der­ar­ti­ges) ver­ges­sen?[30]

Unab­hän­gig davon, ob es sich um eine über­lie­fer­te oder erst im Lager ent­stan­de­ne Geschich­te han­delt, ist hier ent­schei­dend, dass sie in einem Gefan­ge­nen­kon­text vor­ge­tra­gen wur­de. Die Ver­mu­tung liegt nahe, dass sich Ish­mer Singh hier in der Rol­le des Tigers befand, der mit die­ser Geschich­te sei­nen nach außen nicht sicht­ba­ren Wun­den Aus­druck ver­lei­hen woll­te, die von Krieg und Gefan­gen­schaft her­rüh­ren.

Die im ers­ten Teil des Tex­tes erwähn­ten Pala­to­gram­me und Rönt­gen­auf­nah­men waren nicht die ein­zi­gen Unter­su­chun­gen, die in Rich­tung der phy­si­schen Anthro­po­lo­gie wei­sen. Gera­de die Gefan­ge­nen des „Halb­mond­la­gers“ wur­den häu­fig Gegen­stand anthro­po­lo­gi­scher Unter­su­chun­gen. Auf Ein­la­dung von Felix von Luschan (König­li­ches Muse­um für Völ­ker­kun­de in Ber­lin, Pro­fes­sor für Anthro­po­lo­gie an der Ber­li­ner Uni­ver­si­tät) führ­ten der Öster­rei­cher Rudolf Pöch und sein Assis­tent Josef Weni­ger Unter­su­chun­gen an west­afri­ka­ni­schen Gefan­ge­nen durch, die erst 1927 in Wien ver­öf­fent­licht wur­den.[31] Pöch führ­te in öster­rei­chi­schen und unga­ri­schen Kriegs­ge­fan­ge­nen­la­gern in weit­aus grö­ße­rem Maß­stab anthro­po­lo­gi­sche Stu­di­en durch, zu deren Ergän­zung die Daten aus dem „Halb­mond­la­ger“ her­an­ge­zo­gen wer­den soll­ten. Egon von Eick­s­tedt, ein Schü­ler von Luschans, führ­te Kör­per­ver­mes­sun­gen an den Sikh durch, um hier­aus eine Typo­lo­gie zu erar­bei­ten, ein Ver­such, der letzt­lich schei­ter­te.[32]

Bei allen Akti­vi­tä­ten der Pho­no­gra­phi­schen Kom­mis­si­on fällt auf, dass die von ihr betrie­be­nen Doku­men­ta­tio­nen nicht dazu dien­ten, die Indi­vi­dua­li­tät einer Per­son zu beto­nen. Das Gegen­teil ist der Fall: die Indi­vi­dua­li­tät der Gefan­ge­nen wur­de nur als eine Aus­prä­gung auf einer sozio­kul­tu­rel­len Matrix fest­ge­hal­ten. Der Zweck des Fra­gen­bo­gens bestand ein­zig dar­in, den Inter­nier­ten in ein bestehen­des Eth­ni­en-Spra­chen-Sche­ma ein­zu­ord­nen. Alle dar­über hin­aus­ge­hen­den Infor­ma­tio­nen waren für die Pho­no­gra­phi­sche Kom­mis­si­on nicht von Belang. Auch wur­de es nicht als Man­gel gewer­tet, dass die Erhe­bun­gen ohne kul­tu­rel­len Kon­text durch­ge­führt wur­den. Hier­an lässt sich auch die Ver­schrän­kung der Samm­lungs­stra­te­gie mit der herr­schen­den Poli­tik auf­zei­gen. Die Pho­no­gra­phi­sche Kom­mis­si­on ver­folg­te mit ihrer Doku­men­ta­ti­on von Spra­chen und Musik­sti­len das Ziel, den reprä­sen­ta­ti­ven, welt­wei­ten Ansprü­chen einer Kolo­ni­al­macht zu genü­gen. Es soll­te auf die­se Wei­se das welt­um­span­nen­de Kul­tur­in­ter­es­se der Deut­schen und deren Stre­ben nach Aner­ken­nung als Kolo­ni­al­macht unter­stri­chen wer­den. Die Idee Doe­gens war nicht nur, ein Stim­men­mu­se­um als Selbst­zweck zu errich­ten, son­dern er ver­folg­te auch wei­ter­ge­hen­de kom­mer­zi­el­le Absich­ten. Zum Bei­spiel soll­ten die Auf­nah­men nach einem für das Deut­sche Reich erfolg­rei­chen Aus­gang des Krie­ges bei der lan­des­sprach­li­chen Aus­bil­dung von Kolo­ni­al­be­am­ten ein­ge­setzt wer­den.

Die erho­be­nen Daten in den Per­so­nal­bö­gen führ­ten weder auf, aus wel­chen fami­liä­ren Umstän­den der Inter­nier­te stamm­te, noch wie es über­haupt dazu kam, dass er in den Krieg zog. Da die Sprach­auf­nah­men ein ein­ma­li­ger Akt waren und kein wei­ter­ge­hen­des Inter­es­se an dem Schick­sal des Gefan­ge­nen bestand, fin­den sich auch kei­ne Anga­ben dar­über, ob er die Gefan­gen­schaft über­leb­te und ob er in sein Hei­mat­land zurück­kehr­te, ob er eine Fami­lie grün­de­te oder ohne Nach­fah­ren blieb.

Der Personalbogen eines südasiatischen Kriegsgefangenen

Abb. 3: Der Per­so­nal­bo­gen des Gefan­ge­nen Sib Singh aus dem Pun­jab, Laut­ar­chiv der Hum­boldt-Uni­ver­si­tät zu Ber­lin [LA-HUB], PK 610]

Die­se Bei­spie­le sol­len ver­deut­li­chen, wel­che Art von Infor­ma­tio­nen in dem Archiv feh­len. Ande­rer­seits gibt es kaum ein ande­res his­to­ri­sches Schall­ar­chiv, das über so reich­hal­ti­ge Daten zu sei­nen Auf­nah­men ver­fügt. Auch wenn die Infor­ma­tio­nen nicht voll­stän­dig sind, so hat das Laut­ar­chiv eine güns­ti­ge Aus­gangs­la­ge, die wei­te­re For­schun­gen nach Nach­fah­ren und wei­te­ren Infor­ma­tio­nen ermög­licht. Des­we­gen birgt die­ses Archiv für Wis­sen­schaft­ler und Wis­sen­schaft­le­rin­nen die Mög­lich­keit, Krieg nicht nur auf abs­trak­te Wei­se als einen zwi­schen­staat­li­chen Kon­flikt zu betrach­ten; son­dern nach per­sön­li­chen Schick­sa­len zu for­schen und die Geschich­te des Krie­ges auch von einem indi­vi­du­el­len Stand­punkt aus zu erfor­schen.

Alo­is Brandl schrieb 1925 über die Qua­li­tä­ten der von ihm in den Kriegs­ge­fan­ge­nen­la­gern gesam­mel­ten akus­ti­schen Quel­len bri­ti­scher Dia­lek­te:

Über­bli­cke ich das Mate­ri­al, das ich in 15 Lagern zusam­men­hol­te, aus sum­ma­ri­scher Beob­ach­tung von etwa 1000 Dia­lekt­spre­chern und aus genau­er Aus­hor­chung von 75, so hat es bei aller Bunt­heit der Her­kunft eine Eigen­schaft, die durch­geht: es ist nicht aus Büchern oder Zei­tun­gen geschöpft, son­dern aus dem Leben. […] Hier erklingt ein Chor von Kriegs­teil­neh­mern, deren Stim­men sonst ver­hallt wären; sie wer­den nach Jahr­hun­der­ten noch reden als jener Teil von Eng­lands See­le, der in kri­ti­scher Zeit zu han­deln und zu dul­den, doch öffent­lich nichts zu sagen hat­te. Gute Ker­le, wie uner­müd­lich habt Ihr Eure Sprüch­lein wie­der­holt, bis sie ein­ge­legt waren im Muse­um der Lin­gu­is­tik!

[…]

Eines Tages wird das bes­se­re Eng­land, […], wie­der erwa­chen und die­se Kul­tur­ar­beit mit­ten im ärgs­ten Waf­fen­ge­tüm­mel der Welt­ge­schich­te wür­di­gen; bis dahin mag sie ruhig als blo­ße „Dia­lek­to­lo­gie“ im Win­kel ste­hen, als bizar­res Phi­lo­lo­gen­tum, als deut­sche Träu­me­rei.[33]

Von allen hier genann­ten Wis­sen­schaft­lern, die im „Halb­mond­la­ger“ akus­ti­sche Auf­nah­men unter süd­asia­ti­schen Kriegs­ge­fan­ge­nen durch­ge­führt haben, ist Alo­is Brandl neben Hein­rich Lüders [34] der ein­zi­ge, der zu den For­schun­gen und Auf­nah­men in Kriegs­ge­fan­ge­nen­la­gern in dem 1925 erschie­ne­nen Buch „Unter frem­den Völ­kern“ Bezug nimmt. Die drei in dem Buch publi­zier­ten Auf­sät­ze von Hel­muth von Gla­sen­app gehen weder auf die Situa­ti­on im Gefan­ge­nen­la­ger noch auf die von ihm erstell­ten Auf­nah­men ein.[35] Auch der Auf­satz von Fried­rich Carl Andre­as ent­hält kei­ne Andeu­tung hin­sicht­lich sei­ner Besu­che in einem Gefan­ge­nen­la­ger.[36] Josef Horo­vitz ver­weist zumin­dest im letz­ten Absatz sei­nes Arti­kels über „Die indi­schen Moham­me­da­ner“ auf sei­ne Tätig­keit in Kriegs­ge­fan­ge­nen­la­gern.[37]

Auch in den Begleit­hef­ten zu den Schel­lack­plat­ten der Laut­ab­tei­lung, die die pho­ne­ti­sche Umschrift und Trans­li­te­ra­ti­on der Plat­ten­in­hal­te in gedruck­ter Form ent­hal­ten, wer­den zwar auf Grund­la­ge der Per­so­nal­bö­gen die Lebens­sta­tio­nen der Auf­ge­nom­me­nen und ihre Sprach­kennt­nis­se erwähnt , aber es gibt kei­nen Hin­weis auf die Ent­ste­hung der Auf­nah­men in Inter­nie­rungs­la­gern.[38]

Schlussbetrachtung

Für die­je­ni­gen, die die Situa­ti­on von Süd­asia­ten – inhaf­tiert in deut­schen Inter­nie­rungs­la­gern wäh­rend des Ers­ten Welt­krie­ges – näher unter­su­chen wol­len, ist eine beson­de­re Quel­len­gat­tung vor­han­den. Ein akus­ti­sches Doku­ment, die Schel­lack­plat­te, lie­fert Infor­ma­tio­nen ganz eige­ner Art. Stim­men im Ori­gi­nal­ton geben Zeug­nis einer außer­ge­wöhn­li­chen Situa­ti­on. Trotz des Rau­schens und Knis­terns geben die Auf­nah­men ein Gefühl der Unmit­tel­bar­keit, geschaf­fen nicht zuletzt durch die Tech­ni­ken, die von Beginn an für Ton­auf­nah­men benutzt wur­den. Die­se Ton­do­ku­men­te sind Teil des kul­tu­rel­len Erbes und bie­ten Lin­gu­is­ten, His­to­ri­kern, Kul­tur- und Lite­ra­tur­wis­sen­schaft­lern und ‑wis­sen­schaft­le­rin­nen aus allen Län­dern ein unschätz­ba­rer Kor­pus an For­schungs­ma­te­ri­al.

Die Über­spie­lung des Kern­be­stan­des der Schel­lack­plat­ten aus den Jah­ren 1915–1944 konn­te gemein­sam mit dem Auf­bau der Daten­bank im Febru­ar 2005 abge­schlos­sen wer­den. Die digi­ta­len Datei­en die­ser ins­ge­samt 3.825 Plat­ten lie­gen nun in WAV-For­mat und als MP3-Datei­en für den Gebrauch in der Daten­bank vor. Da auf einer Plat­ten­sei­te oft­mals mehr als eine Auf­nah­me vor­han­den war, gin­gen aus den über­tra­ge­nen Plat­ten ins­ge­samt 6.806 Daten­sät­ze her­vor. Auf­grund der umfas­sen­den Doku­men­ta­ti­on zu den ein­zel­nen Auf­nah­men hat sich das Laut­ar­chiv als inter­na­tio­na­le Refe­renz­stel­le für ähn­li­che akus­ti­sche Samm­lun­gen eta­bliert.

In den letz­ten Jah­ren dien­ten die Doku­men­te des Laut­ar­chivs unter ande­rem auch als Grund­la­ge für Aus­stel­lun­gen und Film­pro­duk­tio­nen. In Bezug auf die Auf­nah­men von Spra­chen und Musik Süd­asi­ens ist hier ins­be­son­de­re Phil­ip Scheff­ners Film- und Aus­stel­lungs­pro­jekt „The Half­moon Files“ zu nen­nen. Aus­gangs­ba­sis sei­ner Recher­chen bil­de­ten die Sprach­auf­nah­men im Laut­ar­chiv von Sol­da­ten aus Bri­tisch-Indi­en.[39]

Der Beginn des Ers­ten Welt­krie­ges liegt 100 Jah­re zurück. Die­se Zeit­span­ne soll­te es gestat­ten, das gesam­mel­te Mate­ri­al, wel­ches nicht nur ein mehr­spra­chi­ger Trä­ger von Sprach­pro­ben, son­dern auch ein bedeu­ten­der kul­tur­his­to­ri­scher Bestand ist, zu eva­lu­ie­ren und umfas­send, aus ver­schie­de­nen aka­de­mi­schen Per­spek­ti­ven zu ana­ly­sie­ren. Die­se For­schung soll­te durch Wis­sen­schaft­ler und Wis­sen­schaft­le­rin­nen mit mut­ter­sprach­li­chen Kennt­nis­sen aus den jewei­li­gen Regio­nen durch­ge­führt wer­den, da sie über die bes­ten Vor­aus­set­zun­gen ver­fü­gen, um die ver­schie­de­nen pho­ne­ti­schen, seman­ti­schen und prag­ma­ti­schen Infor­ma­ti­ons­ebe­nen des akus­ti­schen Mate­ri­als zu ent­wir­ren und sie in ihre ent­spre­chen­de kul­tu­rel­len und his­to­ri­schen Kon­tex­te zu brin­gen.

Jürgen‑K. Mah­ren­holz, Laut­ar­chiv der Hum­boldt-Uni­ver­si­tät zu Ber­lin

Endnoten

[1]  <http://www.sammlungen.hu-berlin.de>, Rev. 2013-02-28. Der­zeit ist als Abfra­ge­spra­che nur Deutsch mög­lich. Da die Daten­bank eine Rei­he wei­te­rer Samm­lun­gen umfasst, bie­tet sich zur allei­ni­gen Suche im Bestand des Laut­ar­chivs unter „The­sau­rus“ eine Ein­schrän­kung auf Spra­chen bzw. Sprach­fa­mi­li­en an. Aus Urhe­ber­rechts­grün­den sind in der Online-Ver­si­on der Daten­bank die Sound­da­tei­en nicht abhör­bar.

[2] Doe­gen, Wil­helm (Hg.). Unter frem­den Völ­kern – Eine neue Völ­ker­kun­de. Ber­lin: Otto Stoll­berg – Ver­lag für Poli­tik und Wirt­schaft, 1925. S. 9. Der heu­ti­ge Bestand der Samm­lung ent­spricht die­ser Ein­tei­lung Doe­gens, jedoch setzt der Sam­mel­be­ginn der ein­zel­nen Berei­che zu unter­schied­li­chen Zei­ten ein: ab 1915 Spra­chen, Musik und Gesang der Völ­ker der Erde, ab 1917 Stimm­por­traits bekann­ter Per­sön­lich­kei­ten und ab 1922 deut­sche Mund­ar­ten sowie „Ver­schie­de­nes“, wozu auch Tier­stim­men zäh­len.

[3] Carl Stumpf grün­de­te das Pho­no­gramm-Archiv an der Fried­rich-Wil­helms-Uni­ver­si­tät 1905 mit akus­ti­schen Auf­nah­men, die er bereits seit 1900 auf Edi­son Wachs­wal­zen auf­ge­nom­men hat­te. Das Pho­no­gramm-Archiv ist heu­te Teil des Eth­no­lo­gi­schen Muse­ums in Ber­lin. Simon, Arthur (Hg.). Das Ber­li­ner Pho­no­gramm-Archiv 1900–2000 – Samm­lun­gen der tra­di­tio­nel­len Musik der Welt, Ber­lin: Ver­lag für Wis­sen­schaft und Bil­dung, 2000. S. 25–46.

[4] Alle genann­ten Zah­len basie­ren auf der Doku­men­ta­ti­on der 1.650 gram­mo­pho­ni­schen Plat­ten­auf­nah­men der Pho­no­gra­phi­schen Kom­mis­si­on, die heu­te im Laut­ar­chiv der Hum­boldt-Uni­ver­si­tät unter­ge­bracht sind.

[5] Öster­reich-Ungarn war Bünd­nis­part­ner des Deut­schen Rei­ches.

[6] Simon, Pho­no­gramm-Archiv, S. 237. Die Plat­ten der Pho­no­gra­phi­schen Kom­mis­si­on tra­gen das Sie­gel „PK“, wohin­ge­gen das der Edi­son­zy­lin­der „Phon. Komm.“ lau­tet. Die Inhal­te der Wachs­wal­zen sind nicht Gegen­stand die­ses Arti­kels.

[7] Grund­la­ge der Grün­dung war Doe­gens „Denk­schrift über die Errich­tung eines ʻDeut­schen Laut­am­tes’ in Ber­lin“. Manu­skript. (Wid­mung: Sei­ner Exzel­lenz Prof. D. v. Har­nack in Dank­bar­keit ehr­erbie­tigst zuge­eig­net vom Verf.). Ber­lin, 1918.

[8] Gehei­mes Staats­ar­chiv Preu­ßi­scher Kul­tur­be­sitz [GStAPK], Akten­num­mer 250, Bd. I, Doku­men­te 78 und 79.

Sich auf die Sit­zung der Pho­no­gra­phi­schen Kom­mis­si­on vom 03.02.1919 beru­fend, drückt dies Carl Stumpf in einem Brief an das Kul­tus­mi­nis­te­ri­um vom 12.04.1920 fol­gen­der­ma­ßen aus:

Sie [die Kom­mis­si­on] kann daher ein star­kes Befrem­den dar­über nicht ver­heh­len, dass im Staats­haus­halts­plan von 1920 zu die­sem Zwe­cke die Errich­tung einer Laut­samm­lung als beson­de­rer Abtei­lung der Staats­bi­blio­thek vor­ge­se­hen ist, ohne dass die Mei­nung der Pho­no­gra­phi­schen Kom­mis­si­on irgend­wie gehört wor­den wäre.“

[9] Gehei­mes Staats­ar­chiv Preu­ßi­scher Kul­tur­be­sitz [GStAPK], Akten­num­mer 250, Bd. I, Doku­men­te 3 und 4. Ver­trag vom 17.03.1917

[10] Ibid.

[11] Die Lei­tung der Abtei­lung Lin­gu­is­tik über­nahm Died­rich Wes­ter­mann, die der Musik Fritz Bose und die des Pho­ne­ti­schen Labo­ra­to­ri­ums Franz Weth­lo.

[12] Meh­nert, Die­ter, „His­to­ri­schen Schall­auf­nah­men – Das Laut­ar­chiv an der Hum­boldt-Uni­ver­si­tät zu Ber­lin“, Elek­tro­ni­sche Sprach­si­gnal­ver­ar­bei­tung – Sie­ben­te Kon­fe­renz Ber­lin. Stu­di­en­tex­te zur Sprach­kom­mu­ni­ka­ti­on 13 (1996): S. 28 ‑45.

[13] In den Unter­la­gen des Archivs sind die­se mit „Sprach­text“ über­schrie­ben.

[14] Doe­gen, Alfred, Anfer­ti­gung von Pala­to­gram­men, wis­sen­schaft­li­cher Wert und Nut­zen der­sel­ben für die Zahn­heil­kun­de. Greifs­wald: Adler, 1921 [Aus­zug aus Doe­gens Dis­ser­ta­ti­on]. Alfred Doe­gen war ein Bru­der von Wil­helm Doe­gen.

[15] Sie­he: Lan­ge, Brit­ta, „‚Wenn der Krieg zu Ende ist, wer­den vie­le Erzäh­lun­gen gedruckt wer­den.‘ Süd­asia­ti­sche Posi­tio­nen und euro­päi­sche For­schun­gen im ‚Halb­mond­la­ger‘“. In: Fran­zis­ka Roy, et al. (Hg.) Sol­dat Ram Singh und der Kai­ser: Indi­sche Kriegs­ge­fan­ge­ne in deut­schen Pro­pa­gan­da­la­gern 1914­–1918. Hei­del­berg: Drau­pa­di Ver­lag, 2014. S. 165–208.

[16] In der eigens für sie errich­te­ten Moschee wur­de ihnen Gele­gen­heit zur Reli­gi­ons­aus­übung gege­ben. Auf Schel­lack­plat­te hat sich bei­spiels­wei­se der Gebets­ruf des Muez­zins erhal­ten. Erhal­ten haben sich neben den Schel­lack­plat­ten auch zahl­rei­che pho­to­gra­phi­sche Auf­nah­men des Lager­le­bens auf Glas­plat­ten. Sie­he Kah­leyss, Mar­got, „Mus­li­me in Bran­den­burg – Kriegs­ge­fan­ge­ne im 1. Welt­krieg: Ansich­ten und Absich­ten“, (=Ver­öf­fent­li­chun­gen des Muse­ums für Völ­ker­kun­de Ber­lin; N.F., 66). Ber­lin: SMPK, 1998. Sogar Film­auf­nah­men aus dem Lager (heu­te im Bun­des­film­ar­chiv) lie­gen vor. Die Fil­me­ma­cher Mad­hus­ree Dut­ta und Phil­ip Scheff­ner haben die­ses Mate­ri­al in Ver­bin­dung mit Auf­nah­men aus dem Laut­ar­chiv in dem Doku­men­tar­film „From Here to Here“ (Indi­en 2005, 58 min.) über das deutsch-indi­sche Ver­hält­nis benutzt. Die Film­sze­ne aus dem Lager ist eben­so in Scheff­ners Doku­men­tar­film „The Half­moon Files“ (Deutsch­land, 2007, 87 min.) ent­hal­ten.

[17] In den Klam­mern befin­den sich die Namen der aktu­el­len Staa­ten.

[18] Sie­he: Lie­bau, Hei­ke, „Das Deut­sche Aus­wär­ti­ge Amt, Indi­sche Emi­gran­ten und pro­pa­gan­dis­ti­sche Bestre­bun­gen unter den süd­asia­ti­schen Kriegs­ge­fan­ge­nen im ‚Halb­mond­la­ger‘“. In: Fran­zis­ka Roy, et al. (Hg.) Sol­dat Ram Singh und der Kai­ser: Indi­sche Kriegs­ge­fan­ge­ne in deut­schen Pro­pa­gan­da­la­gern 1914­–1918. Hei­del­berg: Drau­pa­di Ver­lag, 2014. S. 109–143; Ibid., „Hin­do­st­an. Eine Zei­tung für süd­asia­ti­sche Kriegs­ge­fan­ge­ne in Deutsch­land 1915–1918. In: Fran­zis­ka Roy, et al. (Hg.) Sol­dat Ram Singh und der Kai­ser: Indi­sche Kriegs­ge­fan­ge­ne in deut­schen Pro­pa­gan­da­la­gern 1914­–1918. Hei­del­berg: Drau­pa­di Ver­lag, 2014. S. 261–285.

[19] Die Plat­te trägt die Signa­tur PK 626.

[20] Hein­rich Lüders (1869 – 1943):  Ab 1909 Lehr­stuhl für alt­in­di­sche Spra­chen und Lite­ra­tur an der Fried­rich-Wil­helms-Uni­ver­si­tät sowie ab dem glei­chen Jahr Mit­glied der Preu­ßi­schen Aka­de­mie der Wis­sen­schaft. 1931 – 1932 Rek­tor der Fried­rich-Wil­helms-Uni­ver­si­tät.

[21] In den Klam­mern wird die Anzahl ein­zel­ner Titel genannt.

[22] Hum­boldt-Uni­ver­si­tät zu Ber­lin, Laut­ar­chiv [LA-HUB], Ord­ner Nr. 9 .

[23] Lim­bu (6), Hin­di (5), Pasch­tu (4), Hin­du­sta­ni (3), Magar (3), Urdu (2), Rai (1), Gur­mu­ki (1), Maga­ri (1).

[24] Hel­muth von Gla­sen­app (1891 – 1963), Pro­fes­sor für Indo­lo­gie an der Uni­ver­si­tät Königs­berg (Ost­preu­ßen, 1928 – 1944), Pro­fes­sor für Ver­glei­chen­de Reli­gi­ons­wis­sen­schaft an der Uni­ver­si­tät Tübin­gen (1946–1959). Im Ers­ten Welt­krieg Mit­ar­bei­ter  der Nach­rich­ten­stel­le für den Ori­ent.

[25] Josef Horo­witz (1874 – 1931), 1907 bis1915 Dozent in Indi­en. Von 1914 bis 1931 Lehr­stuhl für semi­ti­sche Spra­chen am Ori­en­ta­li­schen Semi­nar der Uni­ver­si­tät Frank­furt.

[26] Fried­rich Carl Andre­as (1846 – 1930), 1883 – 1903 Dozent für Per­sisch und Tür­kisch am Ori­en­ta­li­schen Semi­nar der Uni­ver­si­tät Ber­lin. Ab 1903 Lehr­stuhl für West­asia­ti­sche Spra­chen an der Uni­ver­si­tät Göt­tin­gen.

[27] Alo­is Brandl (1855 – 1940), nach Lehr­stüh­len in Prag, Göt­tin­gen, und Straß­burg, erhielt er 1895 den Lehr­stuhl für Eng­li­sche Phi­lo­lo­gie in Ber­lin.

[28] Lis­te „Samm­lung aus den Kriegs­ge­fan­ge­nen-Lagern“ in: Staat­li­che Muse­en zu Ber­lin Preu­ßi­scher Kul­tur­be­sitz, Eth­no­lo­gi­sches Muse­um [MEK]. Ohne Inven­tar­num­mer.

[29] Über­set­zung der Auf­nah­me: LA-HUB, PK 676 (Ord­ner Nr. 9), vor­lie­gend als Hand­schrift. Alle Ein­fü­gun­gen in Klam­mern befin­den sich in glei­cher Wei­se im Ori­gi­nal.

[30]Auf­nah­me von Isher Singh am 11. Dezem­ber 1916. Über­set­zung der Auf­nah­me; LA-HUB, PK 615 (Ord­ner Nr. 9), vor­lie­gend als Typoskript.

[31] Lan­ge, Brit­ta, „Aca­de­mic Rese­arch on (Colou­red) Pri­so­ners of War in Ger­ma­ny, 1915–1918“. In: Den­doo­ven, Domi­niek, Piet Chie­lens (Hg.) World War I – Five Con­ti­nents in Flan­ders. Brug­ge: Lan­noo, 2008. S. 157.

[32] Eick­s­tedt, Egon von, „Ras­sen­ele­men­te der Sikh“. Zeit­schrift für Eth­no­lo­gie 52 (1920/21): S. 317–394.

[33] Brandl, Alo­is, „Der Anglist bei den Eng­län­dern“. In: Doe­gen, Wil­helm (Hg.) Unter frem­den Völ­kern. Ber­lin: Otto Stoll­berg – Ver­lag für Poli­tik und Wirt­schaft, 1925. S. 362–376.

[34] Lüders, Hein­rich, „Die Gurkhas“. In: Ibid. S. 126–139.

[35] Gla­sen­app, Hel­muth von, „Der Hinduismus”/ „Die Radschputen”/ „Die Sikhs”. In: Ibid. S. 116–125, S. 140–150 und S. 151–160.

[36] Andre­as, Fried­rich Carl, „Ira­ni­er”. In: Ibid. S. 376–383.

[37] Horo­vitz, Josef, „Die indi­schen Moham­me­da­ner”. In: Ibid. S. 161–166.

[38] Laut­bi­blio­thek – Pho­ne­ti­sche Plat­ten und Umschrif­ten. Ed. Laut­ab­tei­lung der Preus­si­schen Staats­bi­blio­thek. 1926–1930.

[39] Welt­pre­mie­re des Films war auf der 57. Ber­li­na­le im „Inter­na­tio­na­len Forum des jun­gen Films“ am 16.02.2007. Meh­re­re inter­na­tio­na­le Aus­zeich­nun­gen folg­ten. <http://www.halfmoonfiles.de> Rev. 2013-02-28.

Sekundärliteratur

Doe­gen, Alfred, Anfer­ti­gung von Pala­to­gram­men, wis­sen­schaft­li­cher Wert und Nut­zen der­sel­ben für die Zahn­heil­kun­de. Greifs­wald: Adler, 1921 [Aus­zug aus Doe­gens Dis­ser­ta­ti­on].

Doe­gen, Wil­helm (Hg.), Unter frem­den Völ­kern – Eine neue Völ­ker­kun­de. Ber­lin: Otto Stoll­berg – Ver­lag für Poli­tik und Wirt­schaft, 1925.

Doe­gen, Wil­helm, „Denk­schrift über die Errich­tung eines ʻDeut­schen Laut­am­tes’ in Ber­lin“. Manu­skript. (Wid­mung: Sei­ner Exzel­lenz Prof. D. v. Har­nack in Dank­bar­keit ehr­erbie­tigst zuge­eig­net vom Verf.). Ber­lin, 1918.

Kah­leyss, Mar­got, 1998, „Mus­li­me in Bran­den­burg – Kriegs­ge­fan­ge­ne im 1. Welt­krieg: Ansich­ten und Absich­ten“, (=Ver­öf­fent­li­chun­gen des Muse­ums für Völ­ker­kun­de Ber­lin; N.F., 66). Ber­lin: SMPK, 1998.

Lan­ge, Brit­ta, „Aca­de­mic Rese­arch on (Colou­red) Pri­so­ners of War in Ger­ma­ny, 1915–1918“. In: Den­doo­ven, Domi­niek, Piet Chie­lens (Hg.) World War I – Five Con­ti­nents in Flan­ders. Brug­ge: Lan­noo, 2008. S. 153–160.

Lan­ge, Brit­ta, „‚Wenn der Krieg zu Ende ist, wer­den vie­le Erzäh­lun­gen gedruckt wer­den.‘ Süd­asia­ti­sche Posi­tio­nen und euro­päi­sche For­schun­gen im ‚Halb­mond­la­ger‘“. In: Fran­zis­ka Roy, Hei­ke Lie­bau, Ravi Ahu­ja (Hg.) Sol­dat Ram Singh und der Kai­ser: Indi­sche Kriegs­ge­fan­ge­ne in deut­schen Pro­pa­gan­da­la­gern 1914­–1918. Hei­del­berg: Drau­pa­di Ver­lag, 2014. S. 165–208.

Lie­bau, Hei­ke, „Das Deut­sche Aus­wär­ti­ge Amt, Indi­sche Emi­gran­ten und pro­pa­gan­dis­ti­sche Bestre­bun­gen unter den süd­asia­ti­schen Kriegs­ge­fan­ge­nen im ‚Halb­mond­la­ger‘“. In: Fran­zis­ka Roy, Hei­ke Lie­bau, Ravi Ahu­ja (Hg.) Sol­dat Ram Singh und der Kai­ser: Indi­sche Kriegs­ge­fan­ge­ne in deut­schen Pro­pa­gan­da­la­gern 1914­–1918. Hei­del­berg: Drau­pa­di Ver­lag, 2014. S. 109–143.

——–, „Hin­do­st­an. Eine Zei­tung für süd­asia­ti­sche Kriegs­ge­fan­ge­ne in Deutsch­land 1915–1918. In: Fran­zis­ka Roy, Hei­ke Lie­bau, Ravi Ahu­ja (Hg.) Sol­dat Ram Singh und der Kai­ser: Indi­sche Kriegs­ge­fan­ge­ne in deut­schen Pro­pa­gan­da­la­gern 1914­–1918. Hei­del­berg: Drau­pa­di Ver­lag, 2014. S. 261–285.

Meh­nert, Die­ter, „His­to­ri­schen Schall­auf­nah­men – Das Laut­ar­chiv an der Hum­boldt-Uni­ver­si­tät zu Ber­lin“, Elek­tro­ni­sche Sprach­si­gnal­ver­ar­bei­tung – Sie­ben­te Kon­fe­renz Ber­lin. Stu­di­en­tex­te zur Sprach­kom­mu­ni­ka­ti­on 13 (1996): S. 28 ‑45.

Simon, Arthur (Hg.), Das Ber­li­ner Pho­no­gramm-Archiv 1900–2000 – Samm­lun­gen der tra­di­tio­nel­len Musik der Welt, Ber­lin: Ver­lag für Wis­sen­schaft und Bil­dung, 2000. S. 25–46.